Kefir: was es ist, was drinsteckt und was es nicht ist

KURZ GEFASST

Kefir ist ein fermentiertes Getränk aus einer lebenden, wiederverwendbaren Kultur. Es gibt zwei Arten: Wasserkefir auf Zuckerwasser, ohne Laktose und ohne Koffein, und Milchkefir auf Milch, mit etwa 3 g Eiweiß je 100 ml. Die Gärung dauert 18 bis 48 Stunden je nach Art und Temperatur und erzeugt Spuren von Alkohol zwischen 0,2 und 1 Prozent. Die Kultur muss nie nachgekauft werden, weil sie wächst. Eine Wirkung auf die Gesundheit ist in der EU nicht als Aussage zugelassen, und wir behaupten keine.

Über Kefir gibt es viele Listen mit Versprechen und wenige mit Zahlen. Diese Seite ist die zweite Art: sie sagt, was drinsteckt, wie lange es dauert, was es kostet und was sich nicht belegen lässt. Wer danach noch Lust darauf hat, hat einen ehrlichen Grund dafür.

Die zwei Arten, die beide Kefir heißen

Kefir in zwei Varianten: Wasserkefir und Milchkefir im Vergleich
Acht Merkmale im direkten Vergleich. Die beiden Kulturen sind nicht austauschbar.

Der häufigste Irrtum zuerst: es gibt nicht eine Kultur für zwei Anwendungen, sondern zwei verschiedene Lebensgemeinschaften. Wasserkefir besteht aus durchsichtigen, gelartigen Kristallen, Milchkefir aus weißen, festen Knöllchen. Wer Kristalle in Milch legt, verliert sie, und umgekehrt. Beim Kauf lohnt sich deshalb ein Blick auf das genaue Wort.

Ein Beutel mit lyophilisierten Fermenten ist keine Kultur in diesem Sinn. Er hält ein bis drei Ansätze, danach muss man nachkaufen. Echte Kristalle und Knöllchen halten unbegrenzt und vermehren sich.

Was im Glas steckt

Kefir: Nährwerte und Zucker je 100 ml im Vergleich mit Joghurt, Cola und Apfelsaft
Energie und Zucker im Vergleich. Beim Wasserkefir bestimmt die Gärdauer den Zuckergehalt.
Je 100 mlWasserkefirMilchkefirNaturjoghurt
Energieetwa 25 kcaletwa 55 kcaletwa 60 kcal
Eiweißpraktisch keinesetwa 3 getwa 4 g
Kalziumkeinesaus der Milchaus der Milch
Ballaststoffe0 g0 g0 g
Laktosekeineteilweise abgebautteilweise abgebaut
Restzucker1 bis 4 ggeringgering
Koffeinkeineskeineskeines
Alkoholspuren0,2 bis 1 %unter 0,5 %keine

Die Zeile mit den Ballaststoffen ist die wichtigste und wird fast immer übersehen. Kein fermentiertes Getränk liefert Ballaststoffe, auch Kefir nicht. Sie kommen aus Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten und Vollkorn, und darin liegt der Teil der Ernährung mit der breitesten Grundlage.

Wie Kefir entsteht

SchrittWasserkefirMilchkefir
160 g Zucker in 1 Liter Wasser ohne Chlor1 Liter Milch, Raumtemperatur
230 bis 50 g Kristalle, 1 Trockenfrucht, 1 Zitronenscheibe20 bis 30 g Knöllchen
3Abdecken, nicht verschließenAbdecken, nicht verschließen
424 bis 48 Stunden stehen lassen18 bis 30 Stunden stehen lassen
5Abseihen, Kultur behaltenAbseihen, Kultur behalten
6Zweite Gärung in der Bügelflaschemeist nicht nötig

Fünf Minuten Arbeit je Ansatz, mehr verlangt Kefir nicht. Die einzigen beiden Fehler, die wirklich zählen, sind chloriertes Wasser und ein fest verschlossenes Glas in der ersten Phase.

Die Temperatur bestimmt alles

RaumtemperaturWasserkefirMilchkefir
18 Grad48 bis 72 Stunden30 bis 36 Stunden
22 Grad36 bis 48 Stunden24 bis 30 Stunden
24 Grad24 bis 36 Stunden20 bis 24 Stunden
28 Grad18 bis 24 Stunden14 bis 18 Stunden

Das erklärt, warum zwei Personen mit derselben Anleitung unterschiedliche Ergebnisse bekommen. Eine Zeitangabe ohne Temperatur ist wertlos. Wer im Januar 24 Stunden gärt und im Juli ebenfalls, bekommt zweimal etwas anderes.

Was belegt ist und was nicht

Kefir: belegbare, schwankende und nicht belegte Aussagen in drei Spalten
Drei Spalten. Die rechte enthält, was man häufig liest und was nicht zugelassen ist.

Die linke Spalte enthält Tatsachen über das Getränk, die mittlere Dinge, die von Ansatz zu Ansatz schwanken, die rechte Behauptungen ohne Grundlage. Zugelassene gesundheitsbezogene Angaben stehen im Register der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit. Für Kefir findet sich dort keine.

Kefir ersetzt kein Arzneimittel und keine ärztliche Abklärung. Anhaltende Beschwerden, Blut im Stuhl, Fieber oder ungewollter Gewichtsverlust gehören in die Praxis.

Was Kefir kostet

PostenWasserkefirMilchkefir
Kultur1 Kauf, danach 01 Kauf, danach 0
Grundlage je LiterWasser und 40 bis 80 g Zucker1 Liter Milch
Zusätzlich1 Trockenfruchtnichts
Verpackung0, dieselbe Flasche0, dasselbe Glas
Nach 12 Monatenmehr Kultur als am Anfangmehr Kultur als am Anfang

Die letzte Zeile beschreibt den eigentlichen Unterschied zu einem gekauften Getränk: eine lebende Kultur ist am Ende des Jahres größer, nicht verbraucht. Deshalb wird Kefir mit der Zeit günstiger.

Was in der Kultur tatsächlich lebt

Die Körner und Knöllchen sind weder Pflanze noch Pilz, auch wenn alte Namen das nahelegen. Sie bestehen aus einem Gerüst von Zuckerketten, das die Bakterien selbst erzeugen, und in diesem Gerüst sitzen mehrere Gruppen von Mikroorganismen, die zusammenarbeiten.

GruppeWas sie tutWas man davon merkt
Milchsäurebakteriensetzen Zucker zu Säure umder säuerliche Geschmack, der sinkende pH
Hefenerzeugen Gas und Aromendie Blasen, der fruchtige Ton, die Alkoholspuren
Essigsäurebakterienarbeiten am Rand mitdie leicht essigartige Spitze bei langer Gärung

Weil es eine Gemeinschaft ist und keine einzelne Sorte, verschiebt sich das Verhältnis mit der Umgebung. Ein warmer Sommer begünstigt die Hefen, ein kühler Raum die Säurebildner. Genau deshalb schmeckt dieselbe Kultur im Juli anders als im Januar, ohne dass jemand einen Fehler gemacht hätte. Und genau deshalb lässt sich auch keine Zusammensetzung je Glas angeben.

Der Wochenrhythmus in der Praxis

Die praktische Frage entscheidet am Ende mehr als jede Tabelle: was verlangt so eine Kultur täglich. Die Antwort ist kurz.

Wie oftWas zu tun istZeit
Alle 1 bis 2 TageAbseihen, Glas ausspülen, neu ansetzen5 Minuten
WöchentlichKultur ansehen, Überschuss abnehmen2 Minuten
Vor einer ReiseIn gesüßtem Wasser oder Milch kühl stellen3 Minuten
Nach der ReiseEin Durchgang zum Wiederanlaufen1 Gärung
NieNachkaufenentfällt

Die letzte Zeile ist der eigentliche Punkt. Die Kultur wächst und teilt sich, wenn man sie füttert. Nach vier bis sechs Wochen hat man in der Regel doppelt so viel wie am Anfang, und der Überschuss lässt sich weitergeben.

Die fünf Fehler, die einen Durchgang bremsen

Fast jede Rückmeldung zu einem Ansatz, der nicht arbeitet, lässt sich auf diese fünf Punkte zurückführen. Keiner davon zerstört eine Kultur dauerhaft.

  1. Chloriertes Leitungswasser. Der häufigste Grund. Gefiltert oder eine Nacht offen stehen lassen.
  2. Zu wenig Zucker. Unter 40 g je Liter zehrt die Kultur von ihren Reserven und wird über mehrere Durchgänge schwächer.
  3. Ein zu kalter Raum. Bei 16 Grad kann ein Ansatz drei Tage brauchen. Das ist Langsamkeit, keine Störung.
  4. Dauerhafter Metallkontakt. Ein verschlossenes Metallgefäß schadet. Kurzes Abseihen mit Edelstahl ist unproblematisch.
  5. Heißes Spülen. Heißes Wasser und Spülmittelreste zerstören einen Teil der Gemeinschaft. Wenn überhaupt, kurz kalt abspülen.

Eine vernachlässigte Kultur ist nicht verloren. Zwei oder drei normale Durchgänge mit gutem Wasser und ausreichend Nahrung bringen sie fast immer zurück.

Aromen und Varianten

Die Grundlage bleibt immer dieselbe, das Aroma kommt in die zweite Gärung. Je Liter genügt eine kleine Menge, und der Zucker der Frucht dient als Nahrung, nicht als Zusatz.

ZugabeMenge je LiterErgebnisZweite Gärung
Ingwer, frisch gerieben1 Teelöffelscharf, sehr sprudelnd12 bis 18 Stunden
Himbeereneine Handvollfruchtig, tiefrot18 bis 24 Stunden
Zitrone und Minze1 Scheibe, 3 Blätterfrisch, sehr leicht24 Stunden
Hibiskus, getrocknet1 Teelöffelsäuerlich, farbig24 Stunden
Traubensaft50 mlsüßer, kräftig sprudelnd12 Stunden

Zwei Regeln halten das Ergebnis berechenbar: nur eine Zutat auf einmal ändern, und zuckerreiche Zugaben kürzer gären lassen, weil der Druck schneller steigt. Eine Flasche mit Saft sollte man am ersten Tag einmal kurz öffnen.

Wann ein Ansatz weg muss

Die Liste ist kurz und eindeutig. Im Zweifel gilt: wegwerfen, neu ansetzen, kein Risiko eingehen.

BeobachtungBedeutungWas zu tun ist
Trockener, pelziger Belag obenSchimmelAlles verwerfen, Gefäß gründlich reinigen
Blau, grün oder schwarzFremdkeimeVerwerfen
Fauliger GeruchFehlgärungVerwerfen
Bodensatz, kleine FädenHefen, normalAbseihen genügt
Leichte Trübung, säuerlicher DuftnormalTrinken oder kürzer gären
Getrennte Schichten in der Milchvariantenormal, lange gegärtUmrühren oder zu Frischkäse abtropfen

Drei ehrliche Gründe, es zu trinken

Wir nennen sie ausdrücklich, weil auf dieser Seite keine Wirkung behauptet wird und sonst der Eindruck entstehen könnte, es gäbe keinen Grund.

  • Der Geschmack. Die Wasservariante schmeckt wie eine leichte, trockene Limonade, die Milchvariante wie ein säuerlicher Trinkjoghurt. Beide lassen sich in jede Richtung verschieben.
  • Der Zucker im Vergleich. Mit 1 bis 4 g je 100 ml liegt die Wasservariante deutlich unter Cola oder Fruchtsaft, ohne Süßstoffe und ohne Aromen aus der Flasche.
  • Die Unabhängigkeit. Nach dem einmaligen Kauf kostet ein Liter nur Zucker und Wasser oder Milch, und man kauft keine Packung mehr.

Drei nachprüfbare Gründe sind mehr wert als zehn Versprechen, die niemand belegen kann. Wer sie nicht überzeugend findet, verpasst nichts, das sich belegen ließe.

Die zweite Gärung, wo die Kohlensäure entsteht

Das ist die Etappe, die in kurzen Anleitungen meist fehlt, und sie erklärt die häufigste Enttäuschung. Nach dem Abseihen ist das Getränk säuerlich, aber flach. Das ist folgerichtig, denn im offen abgedeckten Glas entweicht das entstehende Gas vollständig. Erst eine verschlossene Bügelflasche hält den Druck, und aus einem sauren Getränk werden feine Perlen.

SchrittGefäßDauerWirkung
Erste GärungGlas, locker abgedeckt18 bis 48 StundenSäure entsteht, kaum Gas bleibt
AbseihenSieb aus Kunststoff oder Edelstahl1 MinuteKultur zurückgewonnen
Zweite GärungBügelflasche, fest verschlossen12 bis 36 StundenDruck und feine Perlen
KühlungKühlschrankab 4 StundenGärung gebremst, Gas stabil

Achten Sie auf den Druck. Eine Flasche, die zwei Tage bei 28 Grad mit Fruchtsaft steht, kann überschäumen oder den Bügel absprengen. Öffnen Sie sie am Anfang einmal täglich kurz über der Spüle, bis Sie den Rhythmus Ihrer Wohnung kennen.

Bei der Milchvariante ist diese Etappe meist unnötig. Sie wird beim Stehen dicker statt sprudelnder, und wer sie verschlossen stehen lässt, bekommt vor allem eine getrennte Schicht. Der Unterschied liegt in der Menge der Hefen: in der Wasservariante sind sie deutlich aktiver, und sie erzeugen das Gas.

Ein Jahr in Zahlen

Zum Abschluss die Rechnung, die den Unterschied zu einem gekauften Getränk am deutlichsten zeigt. Sie verlangt nichts weiter als einen Handgriff alle zwei Tage.

Nach 12 MonatenSelbst angesetztGekauft
Käufe der Kultur1entfällt
Durchgängeetwa 180entfällt
Fertige Literetwa 180je Liter eine Packung
Aufwand insgesamtetwa 15 StundenEinkauf und Transport
Verpackungendieselben Flaschenje Liter eine neue
Was am Ende übrig istdoppelte Kulturnichts

Fünfzehn Stunden im Jahr, verteilt auf Handgriffe von fünf Minuten. Das ist der ganze Preis, und er steigt nicht, weil sich die Kultur selbst erneuert. Die letzte Zeile ist der Punkt, an dem sich eine lebende Kultur von jedem Verbrauchsgut unterscheidet: sie ist am Ende des Jahres mehr geworden, nicht weniger.

Was Kefir nicht ist

  • Kein Arzneimittel. Es ist ein fermentiertes Getränk. Hier wird keine Wirkung auf Krankheiten behauptet.
  • Kein zuckerfreies Getränk. Der Zucker ist Nahrung der Kultur. Ein Rest bleibt immer.
  • Kein Ersatz für Ballaststoffe. Dafür braucht es feste Nahrung.
  • Nicht völlig alkoholfrei. Bei der Gärung entstehen Spuren, meist unter 1 Prozent.
  • Kein standardisiertes Produkt. Jeder Ansatz fällt anders aus, und das ist so gewollt.

Praktische Hinweise zum sicheren Umgang mit Lebensmitteln im Haushalt veröffentlicht das Bundeszentrum für Ernährung.

2 Arten, 2 Kulturen18 bis 48 Stunden0 g BallaststoffeAlkoholspuren 0,2 bis 1 %Kultur unbegrenzt nutzbar

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Kefir: Auf einen Blick
Die Kernzahlen dieser Seite auf einen Blick.

Häufige Fragen

Was ist Kefir?

Ein fermentiertes Getränk, das aus einer lebenden Kultur entsteht. Es gibt zwei Arten: Wasserkefir auf Zuckerwasser und Milchkefir auf Milch. Beide Kulturen werden nach jedem Ansatz wieder verwendet und müssen nie nachgekauft werden.

Was ist der Unterschied zwischen Wasserkefir und Milchkefir?

Die Grundlage und die Kultur. Wasserkefir entsteht aus durchsichtigen Kristallen in Zuckerwasser und enthält keine Laktose. Milchkefir entsteht aus weißen Knöllchen in Milch und liefert Eiweiß und Kalzium. Die Kulturen sind nicht austauschbar.

Wie lange dauert es, Kefir herzustellen?

Wasserkefir 24 bis 48 Stunden, Milchkefir 18 bis 30 Stunden, jeweils bei Raumtemperatur. Bei 28 Grad geht es etwa doppelt so schnell wie bei 18 Grad.

Wie viel Zucker enthält Kefir?

Beim Wasserkefir 1 bis 4 g je 100 ml, je nach Gärdauer. Bei Milchkefir bleibt nach der Gärung nur wenig Restzucker aus der Laktose. Null erreicht man nie, weil die Kultur davon lebt.

Enthält Kefir Alkohol?

Spuren aus der Gärung, etwa 0,2 bis 1 Prozent, also im Bereich eines alkoholfreien Biers. Eine kurze, kühle Gärung hält den Wert am unteren Ende.

Ist Kefir gesund?

Darauf geben wir keine Antwort, weil gesundheitsbezogene Aussagen in der EU nur zugelassen sind, wenn sie geprüft wurden. Für Kefir gibt es keine solche zugelassene Angabe.

Wie lange hält die Kultur?

Unbegrenzt, solange sie regelmäßig gefüttert wird. Sie wächst dabei und teilt sich, sodass man nach einigen Wochen welche abgeben kann. Das ist der Unterschied zu einem Ferment aus dem Beutel, das ein bis drei Ansätze hält.

Wie wird Kefir sprudelnd?

Durch die zweite Gärung. Nach dem Abseihen die Flüssigkeit in eine Bügelflasche füllen, 12 bis 36 Stunden verschlossen stehen lassen, dann kalt stellen. Im offenen Glas entweicht die Kohlensäure.

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