Wie man laktosefreien Kefir herstellt

Kefir Laktose- frei Kefirkörner Wasserkefir 3 Methoden für laktosefreien Kefir

Kurz zusammengefasst: Laktosefreier Kefir lässt sich auf drei Wegen herstellen: durch verlängerte Fermentation (24 bis 48 Stunden), durch Verwendung laktosefreier Milch oder als Wasserkefir ganz ohne Milch. Jede Methode hat Vor- und Nachteile bei Geschmack, Nährwert und Verträglichkeit. In diesem Artikel erfahren Sie, welche Variante am besten zu Ihnen passt.

Warum laktosefreier Kefir?

Laktosefreier Kefir wird für immer mehr Menschen zum Thema. Rund 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung in Deutschland vertragen Laktose schlecht oder gar nicht. Dabei möchten viele Betroffene nicht auf die wertvollen probiotischen Eigenschaften von Milchkefir verzichten.

Die gute Nachricht: Sie müssen das auch nicht. Milchkefir ist bei Laktoseintoleranz oft deutlich besser verträglich als normale Milch. Das liegt daran, dass die Mikroorganismen im Kefir einen Teil der Laktose bereits während der Fermentation abbauen.

Doch wenn selbst herkömmlicher Kefir noch Beschwerden verursacht, gibt es drei bewährte Methoden, um einen praktisch laktosefreien Kefir herzustellen. Jede hat ihre eigenen Stärken. In diesem Ratgeber erklären wir Ihnen alle drei Wege Schritt für Schritt.

Methode 1: Lange Fermentation (24 bis 48 Stunden)

Die einfachste Methode für laktosefreien Kefir ist zugleich die natürlichste: Sie lassen die Fermentation einfach länger laufen. Während der Fermentation wandeln die Bakterien und Hefen in den Milchkefirkörnern die Laktose in Milchsäure um. Je länger dieser Prozess dauert, desto weniger Laktose bleibt im fertigen Getränk.

So funktioniert es

Bei einer normalen Fermentationszeit von 24 Stunden werden bereits 30 bis 50 Prozent der Laktose abgebaut. Verlängern Sie die Fermentation auf 48 Stunden, sinkt der Laktosegehalt um bis zu 80 Prozent. Manche Quellen berichten sogar von einer Reduktion um bis zu 90 Prozent bei sehr aktiven Kefirkulturen.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Geben Sie Ihre Milchkefirkörner wie gewohnt in ein Glas mit frischer Milch. Kuhmilch, Ziegenmilch oder Schafmilch eignen sich gleichermaßen.
  2. Decken Sie das Glas mit einem Tuch oder einem lose aufliegenden Deckel ab.
  3. Lassen Sie das Glas bei Raumtemperatur für 36 bis 48 Stunden stehen.
  4. Seihen Sie die Kefirkörner ab und genießen Sie Ihren laktosearmen Kefir.

Worauf Sie achten sollten

Bei längerer Fermentation wird der Kefir deutlich saurer. Das ist normal und ein Zeichen dafür, dass die Laktose abgebaut wird. Wenn Ihnen der Kefir zu sauer wird, können Sie ihn mit etwas Honig, Obst oder in einem Smoothie mischen.

Achten Sie auch auf die Konsistenz: Längere Fermentation führt oft zu einer dickeren, joghurtähnlichen Textur. Im Sommer, wenn es wärmer ist, verläuft die Fermentation schneller, sodass 36 Stunden oft ausreichen.

Methode 2: Laktosefreie Milch verwenden

Die zweite Methode für laktosefreien Kefir setzt direkt an der Quelle an: Sie verwenden einfach laktosefreie Milch als Ausgangsbasis. Laktosefreie Milch enthält das Enzym Laktase, das die Laktose bereits in Glukose und Galaktose aufspaltet. Wenn Sie diese Milch zusätzlich mit Kefirkörnern fermentieren, erhalten Sie ein praktisch komplett laktosefreies Ergebnis.

So funktioniert es

In laktosefreier Milch ist die Laktose bereits enzymatisch aufgespalten. Die Kefirkörner fermentieren dann die verbleibenden Einfachzucker. Das Ergebnis ist ein laktosefreier Kefir, der geschmacklich dem normalen Milchkefir sehr nahe kommt, dabei aber etwas süßer schmeckt.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Besorgen Sie laktosefreie Milch aus dem Supermarkt (Vollfett funktioniert am besten).
  2. Geben Sie Ihre Milchkefirkörner in die laktosefreie Milch.
  3. Lassen Sie die Mischung 24 Stunden bei Raumtemperatur fermentieren.
  4. Seihen Sie die Kefirkörner ab. Fertig ist Ihr laktosefreier Kefir.

Wichtiger Hinweis zu den Kefirkörnern

Viele fragen sich: Kann man mit laktosefreier Milch täglich fermentieren, ohne dass die Kefirkörner leiden? Die Antwort erfordert etwas Differenzierung.

Die Milchkefirkörner brauchen Laktose als Nahrungsquelle. In laktosefreier Milch finden sie zwar die Einfachzucker Glukose und Galaktose vor, die sie ebenfalls verwerten können. Langfristig kann das Wachstum der Kefirkörner aber etwas langsamer ausfallen. Daher empfehlen wir, die Kefirkörner alle 3 bis 4 Durchgänge einmal in normale Milch zu legen, um sie zu stärken.

Methode 3: Wasserkefir als laktosefreie Alternative

Die dritte Methode für laktosefreien Kefir ist zugleich die radikalste: Sie verzichten komplett auf Milch und stellen stattdessen Wasserkefir her. Wasserkefir ist von Natur aus zu 100 Prozent laktosefrei, da er aus Wasser, Zucker und speziellen Wasserkefirkristallen hergestellt wird.

Was ist Wasserkefir?

Wasserkefir unterscheidet sich grundlegend von Milchkefir. Während Milchkefir ein cremiges, joghurtähnliches Getränk ergibt, ist Wasserkefir ein leicht prickelndes, erfrischendes Getränk. Es ähnelt eher einer natürlichen Limonade als einem Milchprodukt.

So stellen Sie Wasserkefir her

  1. Lösen Sie 50 bis 60 Gramm Zucker in einem Liter lauwarmem Wasser auf.
  2. Lassen Sie das Wasser auf Raumtemperatur abkühlen.
  3. Geben Sie die Wasserkefirkristalle hinzu.
  4. Optional: Fügen Sie eine Scheibe unbehandelte Zitrone und 1 bis 2 Trockenfrüchte (z.B. Feige oder Dattel) hinzu.
  5. Lassen Sie die Mischung 24 bis 48 Stunden bei Raumtemperatur fermentieren.
  6. Seihen Sie die Kristalle ab und genießen Sie Ihren Wasserkefir.

Wasserkefir enthält ebenfalls probiotische Bakterien und Hefen, wenn auch in einer anderen Zusammensetzung als Milchkefir. Für Menschen mit starker Laktoseintoleranz oder veganer Lebensweise ist Wasserkefir die ideale Wahl.

Methode 1 Lange Fermentation 24-48h Methode 2 Laktosefreie Milch 0% Lakt. Einfach Methode 3 Wasser- kefir 100% frei 3 Wege zu laktosefreiem Kefir

Vergleichstabelle der 3 Methoden

Um Ihnen die Entscheidung zu erleichtern, haben wir die drei Methoden für laktosefreien Kefir in einer übersichtlichen Tabelle gegenübergestellt.

Kriterium Lange Fermentation Laktosefreie Milch Wasserkefir
Laktosegehalt Sehr gering (80-90% reduziert) Nahezu null Null (100% laktosefrei)
Geschmack Säuerlich, kräftig Mild, leicht süßlich Erfrischend, limonadenartig
Textur Dick, cremig Cremig, ähnlich wie normaler Kefir Dünnflüssig, prickelnd
Probiotische Vielfalt Sehr hoch Hoch Mittel bis hoch
Aufwand Gering (nur warten) Gering Mittel (andere Zutaten nötig)
Für Veganer geeignet Nein Nein (außer pflanzliche Milch) Ja
Proteingehalt Hoch Hoch Keiner

Welche laktosefreie Milch eignet sich am besten?

Wenn Sie sich für Methode 2 entscheiden und laktosefreien Kefir mit laktosefreier Milch herstellen möchten, stellt sich die Frage: Welche Milch sollten Sie wählen?

Laktosefreie Kuhmilch

Die klassische Wahl. Laktosefreie Kuhmilch ist im Grunde normale Kuhmilch, der das Enzym Laktase zugesetzt wurde. Sie enthält alle Nährstoffe der regulären Milch und eignet sich hervorragend für die Kefirherstellung. Verwenden Sie am besten Vollmilch (3,5% Fett), da der höhere Fettgehalt zu einem cremigeren Ergebnis führt.

Laktosefreie Ziegenmilch

Ziegenmilch enthält von Natur aus weniger Laktose als Kuhmilch. In der laktosefreien Variante ist sie besonders gut verträglich. Ziegenmilch verleiht dem Kefir einen etwas kräftigeren, leicht würzigen Geschmack.

Pflanzliche Milchalternativen

Auch pflanzliche Milch wie Hafermilch, Sojamilch oder Kokosmilch lässt sich grundsätzlich mit Kefirkörnern fermentieren. Allerdings fehlen den Körnern hier die tierischen Milchbestandteile als Nahrungsgrundlage. Laktosefreier Kefir aus pflanzlicher Milch ist möglich, erfordert aber besondere Pflege der Kefirkörner.

Milchtyp Eignung für Kefir Geschmack Körnerpflege
Laktosefreie Kuhmilch Sehr gut Mild, klassisch Alle 3-4 Zyklen normale Milch
Laktosefreie Ziegenmilch Sehr gut Würzig, kräftig Alle 3-4 Zyklen normale Milch
Hafermilch Befriedigend Süßlich, getreidig Alle 2 Zyklen normale Milch
Kokosmilch Gut Exotisch, cremig Alle 2 Zyklen normale Milch

Überleben die Kefirkörner in laktosefreier Milch?

Diese Frage beschäftigt viele Kefir-Einsteiger. Die kurze Antwort: Ja, Milchkefirkörner überleben in laktosefreier Milch. Die längere Antwort ist etwas differenzierter.

Milchkefirkörner bestehen aus einer komplexen Gemeinschaft von Bakterien und Hefen, eingebettet in eine Matrix aus Polysacchariden (Kefiran). Diese Mikroorganismen ernähren sich hauptsächlich von Laktose. In laktosefreier Milch stehen ihnen stattdessen die Einfachzucker Glukose und Galaktose zur Verfügung.

Studien zeigen, dass die Kefirkörner diese Zucker problemlos verwerten können. Allerdings kann das Wachstum der Körner bei ausschließlicher Verwendung laktosefreier Milch etwas langsamer ausfallen. Eine Studie zur Kefir-Fermentation und Laktoseverdauung bestätigt, dass die probiotischen Eigenschaften auch bei reduziertem Laktosegehalt erhalten bleiben.

Unsere Empfehlung: Verwenden Sie laktosefreie Milch für Ihren Trinkekefir, aber gönnen Sie den Körnern alle 3 bis 4 Durchgänge eine «Kur» in normaler Vollmilch. So bleiben Ihre Kefirkörner langfristig vital und wachstumsfreudig. Wenn Sie die Kefirkörner zwischen den Anwendungen pausieren möchten, erfahren Sie in unserem Ratgeber, wie Sie Milchkefirkörner richtig aufbewahren.

Geschmack und Textur je nach Methode

Der Geschmack Ihres laktosefreien Kefirs hängt stark von der gewählten Methode ab. Hier ein detaillierter Überblick, damit Sie wissen, was Sie erwartet.

Methode 1: Lange Fermentation

Der Geschmack ist deutlich säuerlicher als bei normalem Kefir. Manche beschreiben ihn als «joghurtähnlich mit einer leichten Hefenote». Die Textur wird dicker und cremiger, fast wie griechischer Joghurt. Diesen Kefir können Sie hervorragend als Basis für Kefirkäse verwenden.

Methode 2: Laktosefreie Milch

Hier schmeckt der Kefir am ehesten wie «normaler» Milchkefir. Er ist mild-säuerlich mit einer leichten natürlichen Süße, die von den Einfachzuckern in der laktosefreien Milch stammt. Die Konsistenz ist cremig und trinkbar. Für die meisten Menschen ist dies der geschmacklich angenehmste laktosefreie Kefir.

Methode 3: Wasserkefir

Wasserkefir ist ein völlig anderes Getränk. Er ist erfrischend, leicht prickelnd und erinnert an eine natürliche Limonade. Mit Fruchtsaft oder frischen Früchten in der Zweitfermentation lassen sich zahllose Geschmacksvarianten kreieren. Er enthält allerdings kein Milcheiweiß und hat eine deutlich dünnere Konsistenz.

Fazit: Welche Methode passt zu Ihnen?

Laktosefreier Kefir ist leichter herzustellen, als viele denken. Alle drei Methoden haben ihre Berechtigung:

Wählen Sie Methode 1 (lange Fermentation), wenn Sie bereits Milchkefirkörner besitzen und einen besonders probiotikareichen, kräftigen Kefir möchten. Diese Methode ist kostenlos und erfordert lediglich etwas Geduld.

Wählen Sie Methode 2 (laktosefreie Milch), wenn Sie den klassischen Milchkefir-Geschmack bevorzugen und sichergehen möchten, dass praktisch keine Laktose mehr enthalten ist. Diese Methode eignet sich besonders für Menschen mit starker Laktoseintoleranz.

Wählen Sie Methode 3 (Wasserkefir), wenn Sie komplett auf Milch verzichten möchten oder sich vegan ernähren. Wasserkefir ist zu 100 Prozent laktosefrei und bietet eine erfrischende Alternative.

Übrigens: Unabhängig von der Methode profitiert Ihre Verdauung von den probiotischen Kulturen im Kefir. Und auch die Stärkung des Immunsystems gehört zu den dokumentierten Vorteilen regelmäßigen Kefirgenusses. Erfahren Sie mehr darüber, wie viel Milchkefir Sie pro Tag trinken sollten, um optimal davon zu profitieren.

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Häufig gestellte Fragen

Ist selbstgemachter Kefir wirklich laktosefrei?

Streng genommen ist Milchkefir nie zu 100 Prozent laktosefrei, es sei denn, Sie verwenden Wasserkefir oder eine Kombination aus laktosefreier Milch und langer Fermentation. Bei der langen Fermentation (48 Stunden) werden bis zu 80 bis 90 Prozent der Laktose abgebaut. Die meisten Menschen mit Laktoseintoleranz vertragen diese geringe Restmenge problemlos. Laktosefreier Kefir aus laktosefreier Milch enthält dagegen praktisch keine messbare Laktose mehr.

Kann ich laktosefreien Kefir auch mit H-Milch herstellen?

Ja, grundsätzlich können Sie auch laktosefreie H-Milch für Kefir verwenden. H-Milch ist ultrahocherhitzt und dadurch länger haltbar. Die Kefirkörner können auch in H-Milch fermentieren, allerdings kann die Konsistenz etwas dünner ausfallen als bei Frischmilch. Viele Kefir-Enthusiasten bevorzugen frische Milch für ein besseres Ergebnis.

Muss ich die Kefirkörner abspülen, wenn ich laktosefreie Milch verwende?

Nein, Sie sollten die Kefirkörner grundsätzlich nicht mit Wasser abspülen, unabhängig davon, welche Milch Sie verwenden. Das Abspülen kann die schützende Kefiran-Schicht beschädigen und wichtige Mikroorganismen entfernen. Seihen Sie die Körner einfach durch ein Sieb ab und geben Sie sie direkt in die frische Milch.

Kann ich meine Kefirkörner einfrieren, wenn ich eine Pause brauche?

Ja, Sie können Milchkefirkörner problemlos einfrieren, wenn Sie eine längere Pause einlegen möchten. Spülen Sie die Körner leicht ab, tupfen Sie sie trocken und legen Sie sie in einen Gefrierbeutel mit etwas Milchpulver. Im Gefrierfach halten sie sich mehrere Monate. Nach dem Auftauen benötigen sie 2 bis 3 Durchgänge, um wieder voll aktiv zu werden.

Hilft laktosefreier Kefir auch gegen Blähungen?

Ja, laktosefreier Kefir kann bei Blähungen besonders hilfreich sein. Da Blähungen bei laktoseintoleranten Menschen häufig durch unverarbeitete Laktose verursacht werden, beseitigt laktosefreier Kefir diese Ursache. Gleichzeitig unterstützen die probiotischen Kulturen eine gesunde Darmflora. Erfahren Sie mehr darüber, wie Milchkefir gegen Blähungen helfen kann.

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